Newsletter April/Mai

    Posted by on Apr 2, 2018

    Liebe Freunde von WORT & TON,

    kennt Ihr das, dieses sonderbare Gefühl einer tiefen Leere, gegen das weder Schokohasen noch bunte Eier etwas ausrichten können? Eine Leere, die Euch Tag für Tag begleitet, ein Gefühl, das Euch sagt, da ist etwas Großes, etwas Bedeutendes, was uns fehlt in unserem Leben – kennt ihr das auch? Nun, dann dürft Ihr mit uns jubilieren, denn die Tage der Leere sind vorbei! Endlich haben wir ein echtes Heimatministerium! Und nicht nur irgendein Heimatministerium, nein, ein bayrisches, kernig-männliches Zipfelmützenheimatmu … äh … -ministerium, das sogleich erklärt, der Islam gehöre nicht zu Deutschland – bäm!
    Nun ist das zwar genaugenommen eine verfassungsfeindliche Aussage (Art. 4 GG), aber was interessiert uns schon unser Geschwätz von 1949! Heimat, das wusste bereits olle Ernst Bloch, ist schließlich etwas, „das allen in die Kindheit scheint“. Nämlich die Weisheit des gestrengen Papas Horst, die da donnert: „Jetzt räumt gefälligst Euer Kinderzimmer auf! Und schmeißt diesen doofen Islam endlich in den Müll!“ Wie haben wir das doch vermisst. Gut, ist jetzt nicht ganz so einfach umzusetzen, wenn da ein paar Millionen Einwohner dieses Landes dranhängen, aber zur Not können wir unseren Islam ja einfach ins Schlumpfhaus stecken und unter die Kartons mit der H0-Eisenbahn schieben, die ohnehin nur zu Weihnachten aufgemacht werden …
    Einen etwas anderen Heimatroman hat Manja Präkels geschrieben und ist damit gerade ausgezeichnet worden: Für „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ gab es auf der Leipziger Buchmesse das Kranichsteiner Jugenliteraturstipendium und obendrauf noch die Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis, der im Herbst vergeben wird. Hier ein schönes 3Sat-Interview mit ihr dazu. Und ebenfalls schön dieser RBB-Beitrag, für den uns das Kamerateam zu Hause in unserer Gedankenmanufaktur besuchte.
    Einer, der sich ebenfalls kritisch und eher ironisch als heilig mit dem Thema Heimat beschäftigte, ist unser guter Geist Erich Mühsam. Dessen 140. Geburtstag feiern wir dieser Tage im Café Courage in Döbeln (siehe Termine) und am 13. Juli im Zukunft/Ostkreuz in Berlin (save the date!) – in Form des Programms „Das seid ihr Hunde wert!“ gemeinsam mit dem SINGENDEN TRESEN.
    Zum leidigen Heimat-Thema schreibt Mühsam übrigens: „Wenn die Menschen bloß zu der Einsicht kommen wollten, daß es völlig gleichgültig ist, wo entlang die Staatsgrenzen laufen. Auf die Glückseligkeit der Menschen kommt es an, nicht auf die Art ihrer Einpferchung.“ Und weil diese simple Erkenntnis anscheinend heute noch ziemlich avantgardistisch ist, gräbt sich Markus Liske gerade für ein neues Mühsam-Buch durch die Archive. Erscheinen soll es im Frühjahr 2019. Bis dahin aber gibt es noch zahlreiche …

    TERMINE

    Fr. 06. April, 19:30 Uhr
    Mühsam-Programm „Das seid ihr Hunde wert!“
    mit: Markus Liske, Manja Präkels & DER SINGENDE TRESEN
    Treibhaus
    Döbeln

    Mi. 11. April, 19:30 Uhr
    Manja Präkels: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“
    Kulturhaus Karlshorst
    Berlin-Karlshorst

    Fr. 13. April, 18 Uhr
    Markus Liske & Manja Präkels: „25 Jahre mit Rechten reden – eine Bilanz“
    MehrGenerationenHaus
    Straße der Jugend 16
    Bittefeld-Wolfen, Ortsteil Wolfen

    Do. 19. April, 20 Uhr
    Manja Präkels: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ – Speziallesung mit Musik (Thorsten Müller und Benjamin Hiesinger vom Singenden Tresen begleiten den Text mit Klarinetten & Kontrabaß & Stimmen)
    Raumerweiterungshalle REH
    Berlin-Pankow

    Do. 26. April, 20 Uhr
    Lesungsdoppel „Zwei wie Pech und Schwefel (Ost-Pech und West-Schwefel)
    Markus Liske & Manja Präkels lesen aus „Glücksschweine“ und „Schnapskirschen“

    Zukunft/Ostkreuz
    Berlin-Friedrichshain

    Do. 03. Mai, 20 Uhr
    Manja Präkels: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“
    Buchhandlung Montag
    Berlin-Prenzlauer Berg

    Do. 10. Mai, 20 Uhr
    Manja Präkels: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“
    Schreina47
    Berlin-Friedrichshain

    Ihr merkt es, auf die Frage nach Heimat können wir Dauerlesereisenden eigentlich nur antworten: „Wherever I lay my head …“

    Eure Heimatforscher in der Gedankenmanufaktur WORT & TON

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