Newsletter September/Oktober

    Posted by on Sep 10, 2018

    Liebe Freunde von WORT & TON,

    was spricht eigentlich dagegen, Sachsen bis auf weiteres unter Zwangsverwaltung durch den Bund zu stellen und die Eingeborenen so lange mit Reeducationprogrammen zu überziehen, bis dort wieder zivilisiertes Leben möglich ist? Nun, es ist die föderalistische Verfassung der Bundesrepublik, die dagegen spricht. Kein Wunder also, dass nach Sachsenhäuptling Michael Kretschmer auch der beflissene Präsident des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen derlei Überlegungen im Keim ersticken möchte, indem er erklärt, es habe in Chemnitz gar keine Menschenjagden gegeben. Laut Focus ist er da allerdings nicht allein darauf gekommen, sondern wurde von Innenminister Hotte Seehofer dazu aufgefordert. Wer da nun aber wem soufflierte, es handele sich bei den Videobelegen um eine vom finsteren Antifa-Establishment-Weltverschwörungskongress mit GEZ-Lügengeldern finanzierte Filmproduktion aus demselben Studio, indem schon die Mondlandung gefaked wurde, ist unklar. Von Maaßen hätte man jedenfalls eher erwartet, dass er die Amtstradition pflegt, indem er versucht, die Hetzjagd als Auseinandersetzung innerhalb einer migrantischen Drogenmafia darzustellen. Das hat ja bei den NSU-Morden jahrelang gut funktioniert.

    Ausnahmsweise dankbar sein muss man in diesem Zusammenhang mal einem progressiver Ideen ansonsten gänzlich unverdächtigen Regierungsmitglied – Gesundheitsminister Jens Spahn nämlich. Dessen Vorstoß, jeden zum Organspender zu machen, der nicht ausdrücklich widerspricht, müsste man nur auf nachrichtendienstliche Organe ausweiten. Was für ein Schlag gegen die rechte Unterstützerszene, wenn wir den Verfassungsschutz einfach spenden könnten! Es gibt ja genug halbirre Despoten auf der Welt, die ihn gerne nehmen würden – Seehofer-Idol Donald Trump zum Beispiel. Und wir würden dafür dessen erfreulich renitentes FBI bekommen, welches sich – nach kurzer Umschulungszeit – hierzulande um die Reeducation der Sachsen verdient machen könnte …Nun aber Schluss mit wohlfeilem Sachsen-Bashing! Mag in diesem Bundesland der rechte Rollback auch weiter fortgeschritten sein als anderswo, das Problem ist ein gesamtdeutsches. Der rechte Rand sitzt nicht nur im Bundestag, er stellt auch den Innenminister und den Verfassungsschutzpräsidenten, hat sämtliche staatlichen Institutionen durchsetzt und bestimmt die mediale Themenfindung.

    Und wer von der Chemnitzer Menschenjagd überrascht war, der muss wahrlich dement sein, wie Manja Präkels gerade noch mal bei Deutschlandfunk Kultur und in einem Leitartikel für den Freitag (Printausgabe 36/2018) ausführte. Die Linie rechtsextremer Gewalt setzt sich seit den frühen Neunzigern so ungebrochen wie öffentlichkeitswirksam fort, wurde damals und wird weiterhin bejubelt von entgrenzten Kleinbürgern, deren völkisches Toben lauter und lauter wird. Die Anfänge dieser Entwicklung sind in Manjas Roman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ nachzulesen. Und für alle, die sich lieber vorlesen lassen: Im Herbst stehen noch zahlreiche Lesungen an, mal mit, mal ohne musikalische Begleitung. Hier die nächsten …

    TERMINE

    Mo. 17. bis Mi. 19. September, ganztägig
    Manja Präkels bei: „Was blüht dem Dorf?“
    Konferenz der Bundeszentrale für politische Bildung über demokratiegefährdene Entwicklungen in ländlichen Räumen
    InterCityHotel
    Göttingen

    Fr. 21. September, 20:00
    „Schnapskirschen“ mit Musik
    Es lesen, spielen und singen: Manja Präkels (Stimme, Sounds), Thorsten Müller (Stimme, Klarinetten & mehr), Benjamin Hiesinger (Kontrabaß)
    Tucholsky Buchhandlung
    Berlin-Mitte

    Sa. 22. September, 20:00
    Manja Präkels bei Simi Will #39: Lesen und lesen lassen
    Valentin Stüberl
    Berlin-Neukölln

    Mo. 24. September, 10:00 Uhr & 11:00 Uhr
    Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“
    Marktzentrum
    Ranis (Thüringen)

    Di. 25. September, 18:00 Uhr
    Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ (mit anschließender Diskussion)
    Karl-Liebknecht-Haus (Rosa-Luxemburg-Saal)
    Berlin-Mitte

    Mi. 03. Oktober, 19:30 Uhr
    Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“
    Burg Greifenstein
    Greifenstein (Hessen)

    Fr. 05. Oktober, 19:00 Uhr
    Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“
    Taranta Babu Buchladen
    Dortmund

    Sa. 06. Oktober, 20 Uhr
    Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“
    Stephanus Buchhandlung
    Karlsruhe

    So weit für heute. Mehr Termine im nächsten Newsletter – unter anderem auch in Chemnitz. Aber zum Glück gibt es da ja keine Menschenjagden – danke Merk… äh, Maaßen!

    Eure Radikalorganspender in der
    Gedankenmanufaktur WORT & TON

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