Dezember/Auf ein Neues!

    Posted by on Dez 5, 2018

    Liebe Freunde von WORT & TON,

    dreimal werden wir noch wach, heißa, dann ist irgendjemand neue/r CDU-Voritzende/r. Wird es der lustige Friedrich mit der spitzen Nase, der zigfache Millionär aus der von ihm gefühlten Mittelschicht, der Aktienspekulation von der Steuer befreien möchte und dessen sonstige Vorstellungen locker auf einen Bierdeckel passen? Oder wird es unser Viagra-Jens, der das Renteneintrittsalter auf 98 anheben und damit alle Rentenbeiträge der Staatskasse zuschreiben will, damit wir endlich von der langweiligen schwarzen Null wegkommen und uns wieder ein schickes Kaiserhaus leisten können? Oder wird es gar die nette Annegret, die zwar „nie eine coole Rockerin“ war, gerade deshalb aber gerne Rechtsrock im Musikunterrichte behandeln lassen und ansonsten klare Kante in der Migrationspolitik fahren möchte? Seid ihr auch so gespannt wie wir? Wir haben jedenfalls vor Aufregung gleich unseren ganzen Adventskalender geplündert – man weiß ja nicht, ob man das nach dem 7. Dezember überhaupt noch darf, ohne dass man von der Annegret wegen Kulturverbrechen ausgewiesen wird, der Jens einem den Krankenversicherungsbeitrag verdoppelt oder der Friedrich einen dazu zwingt, den Schokoladenwert an der Börse wieder reinzuholen. Aber, seien wir ehrlich, im Wesentlichen wird alles weitergehen wie gehabt – mit allen intellektuellen Zumutungen, allem Elend, aller Empathielosigkeit, an die wir uns im Laufe der Jahre so gewöhnt haben, dass wir uns kaum noch darüber aufregen können.

    „Revolution entsteht aus der Unerträglichkeit von Einrichtungen, die in sich selbst keine Möglichkeiten enthalten, sich zur Erträglichkeit zu wandeln.“ – Das schrieb Erich Mühsam, der gute Geist unserer Gedankenmanufaktur, vor genau 100 Jahren. Seine Revolution wurde allerdings nur wenige Monate später auf Befehl der SPD-Regierung um Friedrich Ebert von antisemitisch-nationalistischen Freikorps mit Hakenkreuz auf dem Helm blutig zusammengeschossen, um so dem deutschen Faschismus den Weg zu bereiten. Für die Jüngeren von euch: Die SPD gibt es immer noch. Das ist diese lustige Kleinpartei mit der stets hysterisch grimassierenden Kreuzung aus einem Monchichi und Beate Zschäpe auf Ecstasy an der Spitze.

    Aber auch Erich Mühsam lebt glücklicherweise weiter – u.a. in Markus Liskes neuem Buch „Sechs Tage im April – Erich Mühsams Räterepublik“, das (wie wir hiermit froh verkünden können!) im März gleich doppelt erscheinen wird – zum Selberlesen im Verbrecher Verlag, als Hörbuch bei speak low, gelesen von Robert Stadlober und Markus Liske sowie musikalisch umrahmt von Manja Präkels und den TRESEN-Kollegen! Und das nach diesem Jahr, das uns schon so viele schöne Aufregungen beschert hat: Manjas „Schnapskirschen“ sind nunmehr tatsächlich schon in der siebten (!) Auflage. Die Taschenbuchausgabe lässt auch nicht mehr lang auf sich warten, und nach Kranichsteiner Stipendium und dem Deutschen Jugenliteraturpreis gab es gerade auch noch den Anna-Seghers-Preis obendrauf, in der Akademie der Künste persönlich verliehen vom inzwischen 92jährigen Seghers-Sohn Pierre Radványi.

    Nein, mehr passt wirklich nicht in dieses Jahr. Obwohl … ein paar Lesungen gehen schon noch und natürlich auch die traditionelle „Letzten Runde“ mit dem SINGENDEN TRESEN, die in diesem Jahr im Valentin Stüberl, der Neuköllner Kultkneipe schlechthin, stattfindet. Da lasst uns gemeinsam feiern! Den Termin findet ihr (wie sollte es anders sein) unter:

    TERMINE

    Mi. 05. Dezember, 20 Uhr
    Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“
    Buchlokal
    Berlin-Pankow

    Sa. 08. Dezember, 14:30
    68/18 Kongress
    Podiumsdikussion mit Manja Präkels zu antifaschistischer Politik
    TU-Gebäude
    Berlin-Charlottenburg

    Mo. 10. Dezember, 19:30
    „Kirschen mit Musik“ und anschließender Podiumsdikussion
    Es lesen und spielen: Manja Präkels (Stimme, Sounds), Thorsten Müller (Stimme, Klarinetten & mehr), Benjamin Hiesinger (Kontrabaß)
    Friedrich-Schiller-Universität
    Jena
    Thüringen

    Fr. 14. Dezember, 18:30
    „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ – Lesung im Rahmen der Konferenz „Erinnerung rechter Gewalttaten im deutschsprachigen Raum in den erzählenden Künsten“ (13.-14.12.2018)
    Walter Benjamin Kolleg
    Bern
    Schweiz

    Do. 20. Dezember, 20:00
    „Letzte Runde 2018“ mit DER SINGENDE TRESEN
    Valentin Stüberl
    Berlin-Neukölln

    Die zahllosen Januar/Februar-Termine gibt es erst im nächsten Newsletter. Nur so viel: The winners are … Gera, Werftpfuhl, Fürstenberg, Potsdam, Oranienburg, Berlin, Zehdenick, Prenzlau, Chemnitz, Wien, Wiesbaden, Frankfurt, Darmstadt, Zürich.
    Bis 6. Januar machen wir aber erst mal Pause.

    Schöne Feiertage allen und einen guten Rutsch!
    Eure aus dem letzten Christbaumkugelloch pfeifenden Weihnachtswichtel in WORT & TON

    Impressum | Datenschutzerklärung