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    „Kaltland“-Besprechung

    Posted by on Nov 7, 2011

    Der Osten und die Kosten

    Eine Sammlung: „Kaltland“

    Nachdem die Mauer in Berlin offen und die Mülleimer im Osten mit Bananenschalen überfüllt waren, als das Begrüßungsgeld ausgegeben und die ersten DDR-Firmen zerschlagen waren, begann der rassistische Terror, der dazu führte, dass eine offizielle Reisewarnung des US-Außenministeriums für etliche Teile Deutschlands ausgerufen wurde. Skinheads fuhren mit gestrecktem Arm durchs Dorf und brave Bürger bauten Grillbuden zwischen Wasserwerfern auf, feierten Pogrome wie Volksfeste. An diese Doppel-Wendezeit erinnern 42 Autoren, darunter die Lesebühnen-Autoren Ahne und Jakob Hein, Schorsch Kamerun (Sänger von „Die Goldenen Zitronen“), SPIEGEL-Autor Alexander Osang, oder Titanic-Politiker Martin Sonneborn („Die Partei“).

    Krampitz, Liske, Präkels (Herausgeber): „Kaltland – Eine Sammlung“, Rotbuch, 288 Seiten, 14,95 Euro.

    Und dann steht irgendwo dieser Satz von Autor Heiner Müller: „Die Arbeitslosigkeit geht durchs Land als ein neues Regime der Furcht, das keine Stasi braucht, um die Menschen einzuschüchtern.“ Dass „Kaltland“ diese Aussage nun nicht als Entschuldigung nimmt, sondern sie nur als einen winzigen Mosaikstein hinzufügt, in die Stimmungsschilderungen jener Tage, ist eines von vielen guten Momenten dieses wütenden Sammelbandes.

    Von Jan Drees

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