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Newsletter März/April

Posted by on Mrz 4, 2018

Liebe Freunde von WORT & TON,

die Freude war riesengroß in unserer kleinen Gedankenmanufaktur, als vor knapp zwei Wochen die Nachricht kam, dass der Kollege Deniz Yücel endlich wieder frei ist. Den Hashtag #FreeDeniz brauch wir jetzt also erst mal nicht mehr. Aber wir sollten darüber nicht vergessen, dass der Hashtag #Freethemall weiterhin aktuell und wichtig bleibt. Weit wichtiger jedenfalls, als beispielsweise die Frage, ob die SPD ihrem Ende in Bedeutungslosigkeit nun als Regierungs- oder Oppositionspartei entgegendämmert.

Noch wichtiger, so mussten wir dieser Tage lernen, ist wohl nur noch der alte Brecht-Satz, dass vor der Moral das Fressen kommt. Dieser erfuhr eine zeitgemäße Ausdifferenzierung, als der Chef der – ausgerechnet – Essener Tafel beschloss, bei Neuanmeldungen künftig nur noch blutsdeutschen Hunger zu befriedigen. Schließlich stünden da inzwischen so viele Ausländer in der Schlange (bzw. stünden aufgrund ihres „Nehmer-Gens“ eben gerade nicht Schlange), dass das der armen Oma Uschi und dem armen Opa Fritz schlechte Gefühle bereitet. Und natürlich haben diese beiden exemplarischen Volksrentner ein Recht auf ihre Gefühle, befanden erwartungsgemäß sogleich Spitzenpolitiker der CDU … äh, nee, stimmt ja gar nicht – die waren bis hinauf zur Kanzlerin mehrheitlich entrüstet. Es waren Sarah Wagenknecht und diverse andere Vertreter der Linkspartei, die dem selektierenden Tafel-Chef beherzt beisprangen. Journalistische ABC-Schützenhilfe dafür gab es prompt von einem, der sich in der „Deutsche zuerst!“-Thematik schon länger häuslich eingerichtet hat: Spiegel-Kolumnist Jakob Augstein. Der befand, im bösen Wort vom „Nehmer-Gen“ habe sich doch nur die verfehlte Sozial- und Flüchtlingspolitik der letzten 20 Jahre niedergeschlagen. Klar: Würde man die Migranten einfach vollzählig im Mittelmeer entsorgen, gäbe es zwar nicht weniger Rassismus im Land, aber der würde – mangels Anlass – halt seltener artikuliert. Und wenn da keine Flüchtlingsunterkünfte im Land der Sachsen stünden, könnten die da auch keine Hakenkreuze draufschmieren … Sorry, das war ein Ausrutscher. Eigentlich halten wir dieses allgegenwärtige Sachsen-Bashing für bloße Augenwischerei – nachzulesen in Manja Präkels‘ Jungle World-Kommentar „Sachsen über alles“.

Jeder sollte bei bzw. wenigstens mit sich angfangen. Da gehen wir jetzt mal mit gutem Beispiel voran und lassen (kaum dass die Schallemissionen der Freude über Deniz Yücels Freilassung verklungen sind) abermals die Sektkorken knallen: Manjas Roman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ wird nämlich auf der Leipziger Buchmesse mit dem Kranichsteiner Jugenliteraturstipendium ausgezeichnet – Konfetti!!! Wer an dem Tag nicht dabei sein kann, für den gibt es außerdem die Möglichkeit sich Frau Präkels demnächst im Fernsehen anzuschauen – siehe:

TERMINE

Do. 01. März, 20 Uhr
Manja Präkels: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“
Hansa 48
Kiel

Fr. 02. März, 20 Uhr
Markus Liske: „Atomtod und Rüschenhemd“
Sequential Art
Rostock

Sa. 10. März, 19:30
TV-Beitrag über Manja Präkels 
3Sat Kulturpalast

Do. 15. März, 14 Uhr
Preisverleihung Kranichsteiner Stipendium
Congresscenter, Saal 1
Buchmesse
Leipzig

Fr. 16. März, 10 Uhr
Preisträger Manja Präkels und Flurin Jecker im Interview
3Sat-Messestand in der Glashalle
Buchmesse
Leipzig

Sa. 17. März, 19 Uhr
Manja Präkels zu Gast bei „Keine Alternative in Ostdeutschland?“
Cammerspiele
Leipzig

Sa. 17. März, 20 Uhr
Verbrecher Verlagsabend mit Manja Präkels und Bettina Wilpert
Kulturapotheke
Leipzig

Do. 22. März, 21 Uhr
Manja Präkels: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“
Schleswig-Holstein-Haus
Schwerin

Fr. 23. März, 19:30 Uhr
Manja Präkels: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“
Walthers Buchladen
Berlin

Fr. 06. April, 19:30 Uhr
Mühsam-Programm „Das seid ihr Hunde wert!“
mit: Markus Liske, Manja Präkels & DER SINGENDE TRESEN
Treibhaus
Döbeln

So weit erst mal. Zahlreiche weitere Termine folgen im nächsten Newsletter. Haltet Euch wacker und vergesst auch beim schönsten Fressen die gute, alte Moral nicht. Unsere ausdrückliche Empfehlung zur Buchmesse gilt der Kampagne #verlagegegenrechts!

Eure ehrenamtlichen Kultur-Tafeldecker in der Gedankenmanufaktur WORT & TON

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