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Mai & Juni 2019

Posted by on Mai 4, 2019

Liebe Freunde von WORT & TON,

Meisengezwitscher auf dem Balkon, sonnige Gemüter allüberall, selbst lächelnde BVG-Busfahrer sollen schon gesichtet worden sein. Keine Frage, das ist der Wonnemonat Mai, den eigentlich alle lieben – außer der SPD. Die nämlich muss sich dieser Tage wieder an einstige Lippenbekenntnisse und historische Verbrechen erinnern lassen.

Am 1. Mai vor genau 100 Jahren waren es die Sozialdemokraten, die hakenkreuzgeschmückte Freikorps-Truppen gen München entsandten, um dort ein Blutbad an jenen Sozialisten zu veranstalten, die meinten, die Gesellschaft in Form einer Räterepublik freier und gerechter organisieren zu können. Das Ergebnis: Rund 1.000 Tote und ein berauschendes Siegesfanal für jene rechtsextremen Kräfte, die 14 Jahre später als NSDAP die Macht übernehmen sollten. Dass man diese weitere Entwicklung durchaus vorhersehen konnte, belegt ein Tagebucheintrag Erich Mühsams vom 2. Mai 1919, in dem er prognostiziert, dass nun sicher bald „die reaktionären Mächte das Äußerste wagen, um die Gewalt an sich zu reißen. Die Sozialdemokraten haben dann ihre Pflicht erfüllt und eine neue Ära Ludendorff mit monarchistisch-despotischer Tendenz blüht auf, die (…) ein Blutregiment über Deutschland aufrichten wird, das seinesgleichen noch nicht gesehn hat, und dessen Ende ich für meine Person bestimmt nicht erleben werde.“

Unnötig zu sagen, dass unter den ermordeten Räterepublikanern auch zahlreiche SPD-Mitglieder waren, die ihre Partei fälschlicherweise noch immer für eine sozialistische hielten. Solche Sozialdemokraten gibt es lustigerweise auch heute noch. Den Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert beispielsweise, über den der Berliner Tagesspiegel gerade titelte: „Kühnert erschreckt die SPD mit Sozialismus“. Tatsächlich hatte er laut darüber nachgedacht, ob es perspektivisch nicht sinnvoll sein könnte, Wohneigentum oder große Unternehmen zu vergesellschaften, wenn man denn vorhätte, den Kapitalismus vielleicht irgendwann doch im marxistischen Sinne zu überwinden. Dafür war er von diversen seiner Genossen für „irre“ erklärt worden und aus dem SPD-Wirtschaftsforum kam sogar die Forderung nach einem Parteiausschluss. Glück für Kühnert, dass die SPD heute nicht in der Position ist, in der sie vor 100 Jahren war, sonst ginge es für ihn womöglich um mehr als nur sein Parteibuch …

Wer mehr über die Ereignisse im Mai 1919 wissen will: Das Hörbuch zu Markus Liskes Buch „Sechs Tage im April – Erich Mühsams Räterepublik“, das in diesem Monat Platz 2 der Hörbuchbestenliste belegt (Konfetti!!!), präsentieren wir am 18. Mai im Rahmen der Linken Buchtage in Berlin. Robert Stadlober und Markus Liske lesen live, DER SINGENDE TRESEN spielt dazu und anschließend gibt es noch ein Podiumsgespräch mit den Herausgebern der Mühsam-Tagebücher Chris Hirte und Conrad Piens.

Außerdem feiern wir am 07. Mai mit DER SINGENDE TRESEN in den Tag der Befreiung hinein, was umso wichtiger ist, als der diesjährige 1. Mai vielerorts wieder große Nazi-Aufmärsche mit sich brachte – im sächsischen Plauen sogar vollständig uniformiert. In Anbetracht dessen erscheint das sozialdemokratische Hadern mit sich selbst natürlich weniger relevant. Zumal es für die Antifa-Arbeit in der Provinz eh egal ist, wer welches Parteibuch hat. Hier finden sich zum Glück immer wieder ganz erstaunlich breite zivilgesellschaftliche Bündnisse zusammen, um dem rechten Rollback entgegenzuwirken, wie Manja Präkels regelmäßig auf ihren Lesereisen mit „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ feststellt. Wo und wann genau Ihr sie und uns live erleben könnt, das seht Ihr hier:

Termine

Fr. 03. Mai, 19 Uhr

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

SIZ

Freiberg

Di. 07. Mai, 19:30

Konzert/Lesung zum Tag der Befreiung: Der Singende Tresen spielt „Mühsamblues“, Markus Liske liest aus „Sechs Tage im April“

Kulturhaus Karlshorst

Berlin

09. Mai, 20 Uhr

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Buchhandlung lesen und lesen lassen

Berlin-Friedrichshain

Sa. 11. Mai, 19 Uhr

„Kirschen mit Musik“

Es lesen, spielen und singen: Manja Präkels (Stimme, Sounds), Thorsten Müller (Stimme, Klarinetten & mehr), Benjamin Hiesinger (Kontrabaß)

InkriT-Tagung im Bildungs- und Begnungszentrm Clara Sahlberg

Berlin-Wannsee

13. – 16. Mai

Manja Präkels-Lesereise mit: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Goethe-Institut Frankreich

Paris

18. Mai, 18 Uhr

„Sechs Tage im April – Erich Mühsams Räterepublik“

Konzert, Lesung und Diskussion mit: Der Singende Tresen, Markus Liske, Robert Stadlober, Chris Hirte, Conrad Piens & Jörg Sundermeier (Mod.)

Linke Buchtage / Mehringhof

Berlin-Kreuzberg

24. Ma, 19 Uhr

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Kunstbühne Portstraße

Oberursel

28. Ma, 19 Uhr

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Café Nerly

Erfurt

31. Mai, 19:30 Uhr

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung

Königswinter

03. Jun, 19:30

„Kirschen mit Musik“

Es lesen, spielen und singen: Manja Präkels (Stimme, Sounds), Thorsten Müller (Stimme, Klarinetten & mehr), Benjamin Hiesinger (Kontrabaß)

Literaturcafé der PH Ludwigsburg

Ludwigsburg

05. Juni, vormittags / Schülerlesung

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Universität Rostock

Rostock

Und so geht es auch den restlichen Juni noch munter weiter, wie Ihr dann dem nächsten Newsletter entnehmen könnt. Eigentlich so eine Art Selbstvergesellschaftung, dieses rastlose Tourleben. Und das ganz ohne Wohneigentum und BMW-Aktien …


Eure Entäußerungsprofis in der
Gedankenmanufaktur WORT & TON

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