Juli & August 2019

    Posted by on Jul 4, 2019

    Liebe Freunde von WORT & TON,

    anfangs herrschte ein gar dröhnendes Schweigen in CDU-Kreisen, als am 2. Juni der CDU-Politiker Walter Lübcke von einem Nazi-Terroristen erschossen wurde. Dann aber wurde es doch noch laut: Max Otte von der „Werteunion“ fühlte sich bemüßigt, die rechte Szene („was immer das ist“) in Schutz zu nehmen, indem er darauf bestand, im Mörder weiterhin einen „minderbemittelten Einzeltäter“ zu erkennen. Der CDU-Obmann des Innenausschusses im Bundestag Armin Schuster mochte so weit zwar nicht mitgehen, bezeichnete die Tat dafür aber als den „ersten rechtsextremistischen Mord seit Kriegsende“ und spuckte mit diesem einen Satz so flächendeckend auf Hunderte von Gräbern, dass man sich wundern muss, warum ihn die mecklenburgische Feuerwehr nicht als Unterstützung gegen den Lübtheener Großbrand anforderte. Damit jedoch nicht genug: Aus AfD-Foren schwappte erwartungsgemäß eine gewaltige Welle aus Hohn und Hass über den ermordeten Walter Lübcke, neue Morddrohungen wurden ausgesprochen, bestehende erneuert, und die rechtsextreme Gruppe „Nordkreuz“ bestellte vorsorglich schon mal Ätzkalk und 200 Leichensäcke.

    Das alles könnte einem ganz schön Angst machen. Muss es aber gar nicht, wie Ex-Bundespräsident Joachim Gauck meint. Der ist offenbar der Ansicht, dass es sich bei all den Drohungen und menschenverachtenden Äußerungen nur um folkloristische Späßchen, bei „Nordkreuz“ um einen Schützenverein und bei den Höckes, Gedeons, Gaulands und Weigels um lupenreine Demokraten handelt, weshalb er nun „eine erweiterte Toleranz in Richtung rechts“ forderte. Hat ja in Deutschland schon mal super geklappt.

    Aber ob Gauck das nun fordert oder nicht, ist letztlich egal. Schließlich ist sein Wunsch bereits gelebte Realität, wie unlängst TV-Moderator Frank Plasberg belegte, als er AfD-Politiker Uwe Junge („Der Tag wird kommen, an dem wir alle Ignoranten, Unterstützer, Beschwichtiger, Befürworter und Aktivisten der Willkommenskultur im Namen der unschuldigen Opfer zur Rechenschaft ziehen werden!“) in eine Sendung über rechten Hass einlud. Nicht nur, dass er dem Herrn deutlich mehr Redezeit als jedem anderen Gast gab und zudem das letzte Wort einräumte. Er lieferte Junge sogar passgenaue Ausreden, wenn der sich verzettelte und entschuldigte sich am Ende gar noch bei ihm für all die Unbill. Für so viel rechtstoleranten Qualitätsjournalismus gab es von den Zuschauerrängen passender Weise mehrfach das White Power-Zeichen, das dem breiteren Publikum durch den Christchurch-Massenmörder bekannt sein dürfte.

    Das Problem: Plasberg steht nicht allein. Ob mürbe gemacht vom ständigen „Lügenpresse“-Gezeter, ob aus eigener Überzeugung oder aus vorauseilendem Gehorsam gegenüber einer vielleicht irgendwann an die Macht kommenden AfD – in vielen Medien wird rechten Thesen Raum inzwischen immer mehr Raum gegeben. Denn neben der AfD gibt es schließlich auch einen wachsenden rechten Rand in allen anderen Parteien. Und das sind ja alles potentielle Leser … Zur diesbezüglich besonders brenzligen Lage in Ostdeutschland erschien kürzlich in der Taz ein lesenswertes „Küchengespräch“, an dem sich auch Manja Präkels beteiligte. Und welche Rolle dem Begriff „Lügenpresse“ im Zusammenhang mit dem inzwischen leider nicht mehr sakrosankten Grundrecht der Pressefreiheit zukommt, hat Markus Liske in der Jungle World ausgeführt. Der Singende Tresen probt dieweil mit den großartigen Kolleginnen Hui-Chun Lin (Cello) und Fatmanur Sahin (Geige), um im August bei „Bayreuth blättert“ die Hörbuchfassung von „Sechs Tage im April – Erich Mühsams Räterepublik“ (Verbrecher Verlag / speak low) musikalisch eins zu eins live zu präsentieren. Und am Dresdner Theater Junge Generation beginnen bald die Proben für eine erste Bühnenfassung von „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“. Hier aber erst mal die in den kommenden Wochen anstehenden …

    Termine

    Fr. 05. Juli, 21 Uhr

    Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

    Ladenburger Literaturtage

    Jugendzentrum Die Kiste

    Ladenburg

    Sa. 20. Juli, Uhzeit: N.N.

    Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

    Kampagne „Wann, wenn nicht jetzt“

    Ort: N.N.

    Zwickau

    So. 04. August, 12 Uhr

    Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

    Wortgarten Literaturfestival

    Uckermark

    Sa. 10. August, 21 Uhr

    „Sechs Tage im April – Erich Mühsams Räterepublik“ (Hörbuchfassung live)

    Mit: Markus Liske, Manja Präkels & DER SINGENDE TRESEN

    Lesefest „Bayreuth blättert“

    Bayreuth

    Zu guter Letzt noch dies: Gar so defätistisch, wie unsere Newsletter manchmal klingen, sind wir eigentlich nicht. Was uns beispielsweise Hoffnung macht, sind Manja Präkels‘ Erfahrungen bei ihren zahlreichen Schülerlesungen, die wir hier (weil nicht-öffentlich) meist gar nicht aufführen. Unter Strich zeigt sich da nämlich, dass Äpfel machmal doch ziemlich weit vom Stamm fallen, und die Kids deutlich klarer auf politische Fragen blicken als ihre blaubraun wählenden Eltern.


    Eure in dieser Hinsicht immer jung gebliebenen Menschenfreunde in der
    Gedankenmanufaktur WORT & TON

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