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November & Dezember 2019

Posted by on Nov 6, 2019

Liebe Freunde von WORT & TON,

der Herbst ist schon eine bezaubernde Jahreszeit: bei gutem Wetter in sanfter Melancholie durch den Wald spazieren, Regentage mit einem guten Buch unbeachtet vor dem Fenster vorbeiziehen lassen und der frühen Dunkelheit mit Single Malt im Kerzenlicht begegnen. Schönheit und Frieden … Leider aber färben sich im deutschen Herbst bekanntlich nicht nur die Blätter braun. Das ist heute nicht anders als vor 30 Jahren. Damals konnte man verfolgen, wie aus einem Moment der Freiheit in atemberaubender Geschwindigkeit eine gewalttätige völkische Massenbewegung entstand, die ihr nationales Initiationsritual mit zahllosen Morden und Brandstiftungen feierte. Weil jedoch nicht sein kann, was nicht sein darf, weil die von der Treuhand deindustrialisierten Landschaften blühende sein und die westdeutschen Politiker jener Zeit als weise Staatslenker in die Geschichte eingehen sollten, wurde alsbald ein bleischwerer Mantel des Schweigens über No-go-Areas und „National befreite Zonen“ ausgebreitet. Und so sah niemand, nicht Politik, nicht Medien, wie unter dem Mantel die braune Linie fortgeschrieben wurde, wie rechte Terrornetzwerke entstanden und eine braun-blaue Volkspartei, deren menschenfeindliche Grenzüberschreitungen längst auch an den rechten Flügeln der anderen Parteien für feuchte Schlüppis sorgen.

Heute, drei Jahrzehnte nach Mauerfall, sind wir in einer bizarr fragmentierten Zwischenwelt angekommen. Einerseits hat der Dresdner Stadtrat gerade den Nazinotstand erklärt, weil „fremdenfeindliche, rassistische und nationalistische Ressentiments stark verbreitet sind und antidemokratische Haltungen bis weit in die bürgerliche Mitte reichen“. Andererseits kann die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer in dem realen und tödlichen Terrorakt von Halle nur ein „Alarmzeichen“ sehen. Einerseits tauschen sich Menschen unter dem Hashtag #Baseballschlaegerjahre endlich über ihre alltäglichen Erfahrungen mit rechter Gewalt damals wie heute aus. Andererseits wurde gerade in der Wochenzeitung Die Zeit der Mord an Walter Lübcke als der „erste politische Mord von ganz rechts“ bezeichnet – ein Schlag ins Gesicht aller Angehörigen der rund 200 Toten seit 1990. Einerseits wurde unlängst gerichtlich entschieden, dass man Björn Höcke, den thüringischen Spitzenkandidaten der AfD Faschist nennen darf, weil diese Wertung „auf einer überprüfbaren Tatsachengrundlage beruht“. Andererseits wird in der thüringischen CDU derzeit ernsthaft darüber diskutiert, sich trotz krachender Wahlniederlage von Höckes AfD auf die Regierungsbank hieven zu lassen.

Besonders perfide ist in diesem Zusammenhang der zunehmend auch von rechten Flügelstürmern der „Altparteien“ (allen voran: Wolfgang Kubicki, FDP) geführte Kampf um eine angeblich von Links bedrohte Meinungsfreiheit, in dessen Zuge studentische Proteste auf eine Stufe mit mörderischem Nazi-Terror gehoben werden. Zu diesem Thema gibt es unter dem Titel „Meiner, Mörder und Mikroben“ einen Artikel von Markus Liske in der aktuellen Jungle World. Manja Präkels dagegen wirft in der kommenden WOZ (Verlinkung im nächsten Newsletter) vom ausgetrockneten Aralsee aus einen Blick zurück auf die DDR und was aus ihr wurde. Wer sie auf eine kleine Hörtour ins Brandenburg von heute begleiten möchte, dem sei die Sendung „Durch die Gegend“ von Viertausendhertz empfohlen. Und natürlich gibt es auch wieder Live-Hörtouren, sowohl in Präkels‘ „Schnapskirschen“-Romankosmos als auch mit Liske und DER SINGENDE TRESEN in das Leben Erich Mühsams und die „Sechs Tage im April“ der Bayerischen Räterepublik. Wo, das lest ihr hier:

 

TERMINE

Mo. 04. November, 19:00 Uhr

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Bücherhalle Eimsbüttel

Hamburg

 

Di. 05. – Fr. 08. November

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Schweden-Tournee

Goethe Institut

 

Do. 07. November, 20:30 Uhr

Markus Liske liest: „Sechs Tage im April – Erich Mühsams Räterepublik“

Kukoon

Bremen

 

Sa. 09. November, 19 Uhr

Manja Präkels: „Kirschen mit Musik“

begleitet von Thorsten Müller (Klarinette) und Benjamin Hiesinger (Kontrabass)

Bildungsstätte Anne Frank

Frankfurt/Main

 

Mo. 11. – Do. 14. November

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Schülerlesungstournee / geschlossene Veranstaltungen

Rheinland-Pfalz

 

Fr. 15. November

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Schülerlesung / geschlossene Veranstaltung

München

 

Sa. 16. November, 16 Uhr

„Analogien des Blicks“

Symposion mit: Manja Präkels, Daniela Dahn, Mark Terkissides, Silke van Dyk

Literaturfest

München

 

Mo. 18. / Di. 19. November

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Schülerlesungen / geschlossene Veranstaltungen

Zentralbibliothek

Dresden

 

Do. 21. November, 20 Uhr

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Club Manufaktur

Schorndorf

 

Fr. 22. November, 19:30 Uhr

„Das seid ihr Hunde wert!“ (Erich Mühsam-Programm)

Mit: Markus Liske, Manja Präkels & DER SINGENDE TRESEN

P8

Karlsruhe

 

So. 24. – Fr. 29. November

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Niederlande-Tournee

Goethe Institut

 

Mi. 04. Dezember, N.N.

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Anna-Seghers-Bibliothek

Berlin-Lichtenberg

 

Do. 05. Dezember, 20 Uhr

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Koeppenhaus

Greifswald

Es gibt noch ein paar Auftritte mehr im Dezember. Wo und wann, das verraten wir euch im nächsten Newsletter. Erst mal gilt es, den diesmal besonders aufgeladenen deutschen Herbst zu bewältigen und dabei nie zu vergessen, dass sich zwar das Laub seine Farbe nicht aussuchen kann, Menschen aber schon.


Eure meist schwarzummäntelten Regenbogenfreunde in der
Gedankenmanufaktur WORT & TON

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