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Liebe Freunde von WORT & TON,

im Frankfurter Hauptbahnhof hat ein psychisch kranker Mann Menschen vor einen einfahrenden Zug gestoßen und ein Kind kam dabei ums Leben. Das ist schrecklich, und natürlich fragten sich anschließend viele Leute viele Dinge. "Die Frage lautet auch, wieso genau dieser Mensch und noch viele andere potenzielle oder bereits aktive Gewalttäter völlig ungehindert nach Deutschland einreisen können", fragte sich zum Beispiel der Chefredakteur der Bild-Zeitung Björn Höck... äh, nein - Julian Reichelt heißt der Mann. Björn Hö... verdammt! ... Julian Reichelt fragte sich das sicher nicht deswegen, weil der Täter aus der Schweiz eingereist war und dort bekanntlich ein halbbarbarischer Volksstamm lebt, der Menschen sogar wegen eines im Käsefondue verlorenen Brotstücks im See ertränkt. Er fragte es sich vermutlich, weil der Täter schwarz ist und mithin einer Kannibalenkultur zuzuordnen, die bekanntlich noch vor wenigen Jahrzehnten freundliche Kolonialherren in riesigen Töpfen über offenem Feuer kochte.

Wir wissen nicht, wie intensiv Reichelt für diesen Kommentar in seiner Comic-Sammlung recherchiert hat, aber seine Kernforderung eines strengeren Grenzregimes scheint uns zu kurz gegriffen. Was wir wirklich brauchen, sind unüberwindbare Mauern mit Minen und Schießbefehl. Denn in der Regel sind künftige Mordtaten oder psychische Erkrankungen am Passbild ja nicht abzulesen. Erst wenn absolut niemand mehr von außen kommen kann, können wir sicher davon ausgehen, dass auch alle potentiellen Gewalttäter draußenbleiben. Und das Ausland (Mallorca zum Beispiel) wäre fortan auch sicher vor den unseren. Wir allerdings nicht. Wir wären in diesem Modell blutsdeutschen Monstern wie dem Mörder von Walter Lübcke, den Kinderschändern von Lügde, dem hundertfachen Totspritzer Niels Högel, bombenlegenden und aus Autos auf Menschen schießenden Nazis sowie den rund 1.500 Messerangriffen, die zwischen 2016 und 2018 allein im Saarland stattfanden und in überwältigender Mehrheit von Menschen mit Vornamen wie Michael, Daniel oder Andreas ausgeführt wurden (danke, AfD, für die parlamentarische Anfrage!), weiterhin schutzlos ausgeliefert. Die Lösung: Mauern um jeden einzelnen von uns! Erst wenn wir niemandem mehr begegnen, kann uns auch niemand mehr was tun.

Zugegeben, das ist schwer umzusetzen. Vielleicht sollten wir erst mal das Tragen von Krupp-Stahl-Rüstungen im Alltag durchsetzen. Und natürlich müssen wir uns bewaffnen. Waffen machen das Leben sicherer. Das sagt sogar der amerikanische Friedensforscher Donald Trump. Doch leider agiert der Zeitgeist (a.k.a. Andreas Scheuer) gern kontrafaktisch. Nach jahrzehntelangen Versuchen, den Straßenverkehr mit Helm- oder Anschnallpflicht, Airbags und Geschwindigkeitsbegrenzungen sicherer zu machen, dürfen nun plötzlich völlig ungeschützte Menschen mit bizarren Geräten auf der Straße rumkurven, die weder Blinker noch Bremslicht haben und ins Trudeln kommen, wenn man versucht, einen Richtungswechsel mit dem Arm anzuzeigen oder auch nur den Schulterblick zu machen. Ob der CSU-Mann an der Spitze des Verkehrsministeriums mit der Zulassung dieser Dinger gegen Artikel 2 des Grundgesetzes ("Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit") verstoßen hat, muss noch entschieden werden. Sicher ist aber, dass uns das (und er) erspart geblieben wäre, hätte man frühzeitig eine Mauer zwischen Bayern und dem Rest der Republik gebaut. Ja, lieber Julian Reichelt, je länger wir über ihre Idee nachdenken ...

Aber Scherz beiseite: Wir sind Viele. Wir sind #unteilbar. Deswegen beteiligen wir uns auch am Aufruf zur gleichnamigen Großdemonstration in Dresden im Vorfeld der anstehenden Landtagswahlen. An der Demo selbst können wir allerdings nicht persönlich teilnehmen (ihr müsst uns also vertreten), denn die Gedankenmanufaktur geht auf Reisen. Knapp zwei Monate lang und zahlreiche Grenzübertritte inklusive. Deswegen wird es auch keinen September-Newsletter geben. Bevor es losgeht, sind aber DER SINGENDE TRESEN und Markus Liske noch mal in Bayreuth zu erleben, und Manja Präkels hat noch ein paar Lesungen mit ihren "Schnapskirschen". Das Buch erscheint nicht nur demnächst auf Griechisch (wir berichteten), es gibt jetzt auch eine Förderung des Goethe-Instituts für die Übersetzung ins Englische. Zitat Verbrecher Verlag: "Welterfolg, ick hör dir trapsen!" Was es sonst noch gibt: Unter dem Titel "Der Freiheit rotes Laken" hat Markus Liske für Undercurrents die Enstehung der Räterepublik aus dem Geiste der Boheme aufgeschrieben, und am 20. September spricht Manja Präkels aus dem Fernseher. Hier aber erst mal die nächsten ...

Termine

Do. 01. August, 20 Uhr
Manja Präkels: "Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß" - Lesung & Diskussion
SO 36
Berlin-Kreuzberg

So. 04. August, 12 Uhr
Manja Präkels liest: "Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß"
Wortgarten Literaturfestival
Uckermark

Do. 08. August, 19 Uhr
Warum wir am 24. August #unteilbar nach Dresden fahren
Diskussionsveranstaltung mit Manja Präkels, Dr. Matthias Quent u.a.
Festsaal Kreuzberg
Berlin-Kreuzberg

Sa. 10. August, 21 Uhr
"Sechs Tage im April - Erich Mühsams Räterepublik" (Hörbuchfassung live)
Mit: Markus Liske, Manja Präkels & DER SINGENDE TRESEN
Lesefest "Bayreuth blättert"
Bayreuth

Zum Schluss noch eine schlechte Nachricht - zumindest für Lesungsveranstalter: Manja Präkels ist komplett ausgebucht und kann erst ab September 2020 wieder Auftritte annehmen. Die Tage, die so ein Jahr hat, sind halt von der Natur begrenzt. Alle nicht-natürlichen Grenzen hingegen gehören überschritten. Denn das macht den Kopf frei (auch für neue Bücher).

Eure leidenschaftlichen Grenzgänger in der
Gedankenmanufaktur WORT & TON




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