Als die Berliner Band DER SINGENDE TRESEN im Sommer 2001 zum ersten Mal eine Bühne betrat, dämmerte es bereits. Erschöpft – sie hatten ein Fest zu Ehren des anarchistischen Dichters Erich Mühsam mitorganisiert – schmetterten sie ihre Lieder und hatten noch gar keinen Bandnamen, aber den ersten Auftritt hinter sich gebracht. Wenige Monate später verlieh ihnen ihr Berliner Kneipenpublikum den seltsamen Namen „Der Singende Tresen“. Unter diesem Titel entstanden in den folgenden Jahren mehrere Liedtheaterprogramme mit denen die Band rastlos durchs Land reiste. Wie das klang, kann man auf der inzwischen lange vergriffenen Live-CD „Hundsgemeines Leben“ (Eigenpressung, 2003) nachhören, sofern man diesen Schatz denn irgendwo findet.

    So wie der Bandname blieb auch die Verbundenheit mit dem Dichter und Revolutionär Erich Mühsam bestehen, dem die Gruppe um Poetin und Sängerin Manja Präkels schon auf ihrem ersten Studioalbum „Sperrstundenmusik“ (Raumer Records, 2005) mit „Dies ist der Erde Nacht“ eine Vertonung widmete. Die Tagebücher Mühsams blieben fortan stets im Gepäck, während die Band anderen Geistern folgte, Bücher und weitere CDs veröffentlichte und sich dabei immer wieder neu erfand.

    Nach der von Klezmer und Akkustikfolkpunk geprägten Anfangszeit folgte mit der zweiten Studio-CD „Clowns im Regen“ (Raumer Records, 2007) ein Chanson Noir-Album mit Anklängen an Hanns Eisner und Kurt Weill. Auf der dritten Studio-CD „Kein Teil von etwas“ (Raumer Records, 2009), einer 77 Minuten langen Reise durch die Berliner Nacht, traten dann Jazz-Elemente und experimentelle Wort- und Ton-Collagen in den Vordergrund.

    Im nächsten Studioalbum „Ernste Musik“ (Setalight Records, 2012) mischte sich wütender Postpunk mit satirischen Chanson-und Bänkelliedzitaten sowie mit „Gebt mir Schnaps!“ einer weiteren Mühsam-Vertonung. Diese kommentierte der Wiener Musikkritiker Harald Justin mit den Worten: „(…) erstens, führt blöderweise selbst das gesundest geführte Leben zum Tod und, zweitens, geht es um so etwas wie Kunst! Nicht um die des Trinkens, sondern um die des Gesangs! Man höre, wie unvergleichlich Manja Präkels singt! (… ) So, wie sie singt, könnte sie das Telefonbuch heruntersingen und damit gegen alle guten Sitten verstoßen!“

    Anläßlich des 80. Jahrestages der Ermordung Erich Mühsams widmete die Band ihrem guten Geist schließlich sogar ein komplettes Album: „Mühsamblues“ (Setalight Records, 2014). Komplexe Kompositionen trafen dabei auf dreckigen Blues und Psychodelic-Anleihen.

    Es folgten Klang- und Soundexperimente mit stärkerem elektronischen Anteil, die bereits im Rahmen des Hörstücks „Kein Teil von Etwas“ ihren Anfang genommen hatten, im Bühnen-Programm „Die Eingeborenen – Eine Zombierevue“ (2015) eine Fortsetzung fanden und derzeit noch ohne Zeitdruck vor sich hinblühen, bevor auch sie als silbernes Scheibchen das Licht der Welt erblicken werden.

    In der Zwischenzeit macht sich die Band zum 100. Jahrestag der Bayerischen Räterepublik erst mal an eine weitere Erich Mühsam-Hommage: Mit sieben neuen Stücken setzte sie den musikalischen Rahmen für Markus Liskes Hörbuch „Sechs Tage im April – Erich Mühsams Räterepublik“ (speak low, 2019), gelesen von Robert Stadlober, Markus Liske und Manja Präkels.

    Aktuelle Besetzung:

    Manja Präkels Texte, Stimme, Ukulele, Analogsynth
    Thorsten Müller Klarinetten, Akkordeon, Orgel, Stimme
    Benjamin Hiesinger Kontrabaß
    Florian Segelke – Gitarren
    Johannes Metzger – Schlagzeug

    Markus Liske – Spoken Words

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