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    Manja Präkels • Helmut Neundlinger

    Januar 28 @ 19:00 - 21:00

    Kindheit, Krieg, Gewalt:

    18 Uhr
    Dichter lesen Dichter DORON RABINOVICI (Wien) liest und kommentiert ROBERT NEUMANN (*1897, †1975) DIE KINDER VON WIEN (1946/1974) •

    19 Uhr
    MANJA PRÄKELS (Berlin) liest aus ALS ICH MIT HITLER SCHNAPSKIRSCHEN ASS. Roman (Verbrecher Verlag, 2017) •
    HELMUT NEUNDLINGER (Wien) liest aus EINS ZWEI FITTIPALDI. Roman (Müry Salzmann Verlag, 2018)

    Einleitungen und Gespräch: Johanna Öttl

    Robert Neumann (1897–1975) gehört zu jenen fast vergessenen AutorInnen, deren Bücher während des Nationalsozialismus verboten waren und die infolge ihres Exils innerhalb kürzester Zeit alle Publikationsmöglichkeiten sowie ihr Lesepublikum verloren. „Die Kinder von Wien“ (1946) ist ein Kammerspiel, das im Keller eines zerstörten Wiener Hauses in versehrter Sprache vom Elend einer Gruppe verwaister Kinder erzählt. Aus dieser moralisch und sprachlich verwüsteten Nachkriegslandschaft führt Neumann seine LeserInnen direkt in die Logik des Kalten Kriegs: Zwar wird den Kindern Hilfe in Aussicht gestellt, jedoch nur unter der Bedingung, dass sie aus der sowjetischen Besatzungszone Informationen an den US-amerikanischen Nachrichtenoffizier liefern. „Die Kinder von Wien“ wurde erstmals 1946 im englischen Original veröffentlicht; nach einer sprachlich stark geglätteten Übersetzung durch Franziska Becker (1948) erschien Neumanns eigene Übersetzung schließlich 1974.

    Robert Neumann, Sohn jüdischer Zuwanderer aus dem Osten der Habsburgermonarchie, erlangte Bekanntheit als literarischer Parodist (vgl. die Sammlungen „Mit fremden Federn“, 1927, und „Unter falscher Flagge“, 1932); Literaturkritiker, mehrere Romane und Lyrik. Verbot seiner Bücher in Deutschland ab 1933, Exil in Großbritannien; 1942 erschien der erste auf Englisch verfasste Roman „Scene in Passing“ (dt. „Tibbs“), 1947 erhält Neumann die britische Staatsbürgerschaft; 1958 Übersiedlung in die Schweiz; weitere literarische, literaturkritische und publizistische Arbeiten, z.B. „An den Wassern von Babylon“ (1939), „Die Puppen von Poshansk“ (1952).

    Doron Rabinovici, *1961, lebt seit 1964 in Wien. Autor, Historiker, schreibt Kurzprosa, Essays und Romane, zuletzt erschien (u.a.) „Die Außerirdischen“ (2017). Im November 2018 realisierte er gemeinsam mit Florian Klenk am Burgtheater „Alles kann passieren! Ein Polittheater“.

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    In „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ erzählt Manja Präkels von Mimis Jugend in der DDR und einer brüchig werdenden Idylle, als die Versprechen des sozialistischen Staates zur Phrase verkommen und rechtes Gedankengut wieder Aufschwung erlebt. Sie erzählt vom Mauerfall und dem Abgleiten von Mimis Freund Oliver in die Neonazi-Szene: Während Mimi sich bei den Jungen Pionieren engagiert, erhält Oliver den Spitznamen »Hitler« – und bald werden auch wir LeserInnen Zeuge von Gewalt in ihrer Heimat.

    Im Oberösterreich der 1980er-Jahre sind die Auswirkungen des Kalten Krieges weniger vehement spürbar: Helmut Neundlingers „Eins zwei Fittipaldi“ entwirft ebenfalls eine idyllische Kindheitswelt, jedoch schimmert auch hier die Realität durch. Auch die Jugendlichen in Oberösterreich wissen, dass sich »der Ami und der Russe ein bisschen bedroht haben mit Atomwaffen und so weiter«. Politisches durchdringt die Textur der märchenhaft erzählten Kindheitsabenteuer immer wieder: Nachdem das Dorf Geflüchtete aus Polen aufgenommen hat, deuten sich bald soziale Spannungen an; und auch dass SchulkollegInnnen des Ich-Erzählers in einer Hochhaussiedlung namens »Bangla Desch« wohnen, zeigt, wie soziale und ökonomische Ungleichheit den Kinderaugen nicht verborgen bleibt.

    Manja Präkels, *1974 in Zehdenick/Brandenburg, ist Sängerin, Herausgeberin (z.B. des Erich-Mühsam-Lesebuchs „Da seid ihr Hunde wert!“, 2014) und Prosaautorin. Ihr Roman wurde unter anderem mit dem Anna-Seghers-Preis ausgezeichnet.

    Helmut Neundlinger, *1973 in OÖ, veröffentlicht Lyrik, Prosa, Essays; er arbeitet außerdem als Literaturwissenschaftler und Musiker; zahlreiche Herausgeberschaften. Zuletzt erschien der Gedichtband „Die Gerüche des Meeres und der Eingeweide“ (2017).

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    AS – Alte-Schmiede-Werkstatt | Schönlaterngasse 7A, 1010 Wien
    Stufenloser Zugang zu Galerie und Schmiede-Werkstatt
    Barrierefreies WC im Erdgeschoss
    Zu Veranstaltungszeiten Behindertenparkplatz vor dem Haus Schönlaterngasse 13

    Freier Eintritt bei allen Veranstaltungen in der Alten Schmiede!

    Details

    Datum:
    Januar 28
    Zeit:
    19:00 - 21:00
    Veranstaltungskategorien:
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    Veranstaltungsort

    Alte Schmiede
    Schönlaterngasse 9
    Wien, 1010 Österreich
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