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WORT & TON im Nov./Dez. 2022

Posted by on Nov 7, 2022

Liebe Freunde von WORT & TON,

auch wenn es für euch so scheinen musste, wir haben im Oktober keineswegs pausiert – im Gegenteil. Es war sogar eine ganze Menge los in unserer Gedankenmanufaktur: ein neues Buch (siehe weiter unten!), diverse Live-Termine und letzte Arbeit an der neuen TRESEN-CD. Nur berichten konnten wir euch davon leider nicht. Denn kurz nach Versand des letzten Newsletters wurde unsere Website gehackt, wodurch wir auch auf unsere Verteiler keinen Zugriff mehr hatten. Zum Glück ist der Schaden inzwischen weitgehend behoben, wenngleich einzelne Bereiche, wie etwa das Termin-Tool, noch repariert werden müssen. Was wir darüber gelernt haben, ist, dass wir unsere kritischen Infrastrukturen künftig noch besser schützen müssen.

Damit stehen wir nicht allein. Auch in der Deutschen Bahn setzt sich nach ihrem totalen Breakdown in Norddeutschland langsam die Erkenntnis durch, dass es vielleicht nicht ganz so klug war, sicherheitsrelevante Informationen zu den Kommunikationskabeln des Zugverkehrs offen ins Internet zu stellen. Und selbst Bundeskanzler Scholz hat seine Lehre aus dem Angriff auf die Nord-Stream-Unterwasserpipelines gezogen: Wenn wir unsere Infrastrukturen schon nicht selbst schützen können, so seine Überlegung, verkaufen wir sie eben einfach an Leute, die das besser drauf haben – zum Beispiel Teile des Hamburger Hafens an China.

Eine wirklich pfiffige Lösung! Klar, Chinas lupenreine Demokraten kennen sich bekanntlich aus mit lückenloser Überwachung. Bei denen ist die maritime Lieferkette künftig in mindestens ebenso so sicheren Händen wie bis vor Kurzem noch die Energieversorgung dieses Landes bei Wladimir Putin. Man sollte überhaupt viel mehr den Experten überlassen. Wenn beispielsweise die Warburg Bank für die Hamburger Finanzaufsicht verantwortlich gewesen wäre, hätte es mit Sicherheit nie einen Cum Ex-Affäre gegeben und unser Bundesolaf könnte mopsfröhlich vor sich hin plappern, statt jede noch so banale Journalistenfrage mit vollständig sinnentleerten Floskeln zu beantworten.

Nur zum Schutz unseres Mobilfunknetzes brauchen wir definitiv keine Experten, wie jeder weiß, der sich öfter in provinziellen Gegenden wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder der Berliner U-Bahn herumtreibt. Wo nichts ist, kann auch nichts sabotiert werden. Was uns zurück zum jüngsten Anschlag auf die Deutsche Bahn und zu einem Gratis-Tipp unsererseits für die damit betrauten Ermittler des Staatsschutzes bringt: Wer immer für die Sabotage verantwortlich war, hat mit Sicherheit noch nie (also wirklich: nie!) das euphemistisch so genannte Beförderungsangebot der Deutschen Bahn genutzt. Andernfalls hätte er gewusst, dass dieser Konzern wahrlich keine Hilfe braucht, um mehr Menschen zum Autofahren zu animieren. Das sollte den Kreis der Verdächtigen doch schon ordentlich einschränken. Denn die Allermeisten von uns versuchen es ja immer mal wieder mit Bahnfahrten. Das ist wie mit Anrufen bei Hotlines: Man weiß, dass nichts dabei rauskommt, und tut es dennoch, weil man tief drinnen einfach nicht glauben kann, dass derart dysfunktionale Strukturen in einem Land, dessen wirtschaftlicher Erfolg zu nicht unwesentlichen Teilen auf Hightech-Innovationen gründet, überdauern können.

Andererseits: Die „Kamikaze-Drohnen“, mit denen Putin gerade versucht, die kompletten kritischen Infrastrukturen der Ukraine zu zerstören, um damit mehr Menschen als Flüchtlinge in die EU zu treiben und so seinen rechtsextremen europäischen Bündnispartnern zu Wahlerfolgen zu verhelfen – diese höchst effizienten technologischen Waffen werden ja auch von einem Theokratenregime produziert, das weltanschaulich auf einem vor 1.400 Jahren niedergeschriebenen Esoterik-Bestseller basiert. Einem misogynen Incel-Regime, das Schwule, Lesben und „Ehebrecherinnen“ ermordet, Frauen massiv unterdrückt, Dieben die Hände abhackt und freie Meinungsäußerung für eine Erfindung des Teufels hält. Einem Regime also, von dem man denken würde, dass es zwar AfD-Politikern feuchte Schlüppis macht, aber von jedem halbwegs vernünftigen Menschen zur Hölle gewünscht wird.

Insofern wirkt es etwas irritierend, dass die vom Mord der iranischen Sittenpolizei an Jina Mahsa Amini ausgelösten und vor allem von den unterdrückten Frauen getragenen Aufstände im Iran von hiesigen Politikerinnen und Politikern so wenig Zuspruch erfahren. Klar, da Putin die iranischen Drohnen offenbar dringend braucht, hat die putinistische Linke um Wagenknecht, Dagdelen & Co. natürlich kein Interesse an einer Destabilisierung des Mullah-Regimes. Aber was ist mit den Vertretern der Regierungsparteien los? FDP-Chef Lindner äußert sich gar nicht dazu, Außenministerin Baerbock bedauert wortreich, dass man da leider über ein paar mehr Sanktiönchen hinaus nicht viel machen könne, und Kanzler Scholz prangert via Twitter „unverhältnismäßige Gewalt“ der iranischen Sicherheitskräfte an, was im Umkehrschluss bedeutet, dass er ihnen ein bisschen „verhältnismäßige Gewalt“ durchaus zugestehen würde. Könnte es daran liegen, dass Deutschland der wichtigste Handelspartner der Mullahs in der EU und der (nach China) zweitwichtigste überhaupt ist? Dass sogar in den an Putin gelieferten Drohnen deutsche Motoren stecken? Ja, dass man vielleicht nur zu gern auch diesem diktatorischen Regime ein paar kritische Infrastrukturen hierzulande verscherbeln würde, wenn es denn nur endlich anfinge, ein bisschen leiser zu morden und zu foltern?

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Grundsätzlich ist überhaupt nichts dagegen einzuwenden, wenn man anderen Ländern hiesige kritische Infrastrukturen überlässt. Es kommt halt stets auf den richtigen Partner an. Die Deutsche Bahn zum Beispiel wäre ein einwandfreies, pünktliches und zudem äußerst komfortables Verkehrsmittel, wenn man es dem Entwicklungsland Usbekistan überließe – das können wir euch aus eigener Reiseerfahrung berichten.

Wer mehr über diese Erfahrungen wissen möchte, der sollte unbedingt Manja Präkels‘ frisch erschienenen Essayband „Welt im Widerhall oder war das eine Plastiktüte“ (Verbrecher Verlag) lesen. Das Buch beginnt mit einem Fensterblick auf den Kreuzberger Mehringplatz während der Pandemie und fächert sich dann immer weiter auf. Es geht um Stadt und Land, Metropole und Provinz, die letzten Jahre der DDR, die darauf folgenden „Baseballschlägerjahre“, das Verhältnis zwischen Deutschen und Russen sowie eben unsere Reisen in die Länder der ehemaligen Sowjetunion. Elke Schlinsog auf Deutschlandfunk Kultur: „Die Wucht ihrer Texte verdankt sich auch der sprachlichen Kraft. Puristisch, lakonisch ist ihr Stil. Eine verknappte Sprache ihres heimatlichen Brandenburgisch, dass ‚allem Unausgesprochenen, all den verschluckten Buchstaben und Satzenden zum Trotz, ein Verstehen möglich macht.'“ Und auf der Buchmesse präsentierte Manja Präkels das Buch u.a. auf dem „Blauen Sofa“, ein Gespräch, das ihr euch hier ansehen könnt.

Markus Liske hingegen konzentriert sich derzeit voll auf die Produktion der neuen TRESEN-CD „alleswasderfallist“. Denn alle 12 neuen Songs sind inzwischen abgemischt und gemastert. Nun geht es an die Covergestaltung und anschließend ins Presswerk. Live werdet ihr DER SINGENDE TRESEN erst im kommenden Jahr wieder erleben, aber mit ein bisschen Glück könnte die CD noch in diesem Jahr fertig werden. Und so viel kann man schon sagen: Ihr werdet erstaunt sein, was ihr da zu hören bekommt!

Wo ihr Manja Präkels bis Jahresende noch lesen hören könnt und welches grandiose Finale wir für unsere Literaturbühne „Das literarische Rondell“ im Dezember geplant haben, das erfahrt ihr hier:

TERMINE

Mo. 07. November – 15:45 Uhr

Verleihung des Sächsischen Förderpreises für Demokratie

Podiumsdiskussion mit: Manja Präkels, Martina Glass, Özcan Karadeniz und Simone Rafael (Amadeu Antonio Stiftung)

Staatsschauspiel

Theaterstraße 2

Dresden

 

Di. 08. November – 19:00

Diskussion zu 33 Jahre Mauerfall anlässlich der Premiere des Gangway-Films „In den Straßen von Berlin“ (Start: 17:00)

mit: Manja Präkels, Sanem Kleff, Safter Çınar, Thomas Krüger, Zonya Dengi, Doris Akrap, Rüdiger Rossig, Silke Eckert und Eberhard Seidel

City-Kino WeddingMüllerstraße 74

Berlin-Wedding

 

Mi. 09. November – 13:00 Uhr

Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

Schulmuseum

Goerdelerring 20
Leipzig

 

Fr. 18. November – 19:30 Uhr

Manja Präkels liest: „Welt im Widerhall“

Buchladen Sputnik

Charlottenstraße 28

Potsdam

 

Sa. 19. November – 20:00 Uhr

Manja Präkels liest: „Welt im Widerhall“

Cammerspiele

Kochstraße 132

Leipzig

 

Fr. 25. November – 19:00 Uhr

„Kirschen mit Musik“ im Rahmen der Ausstellung „Kunst gegen Rechts“

mit: Manja Präkels, Thorsten Müller, Benjamin Hiesinger

Galerie Sorglos

Sorge 52

Gera

 

Sa. 26. November – 20:00 Uhr

„Himmel ohne Richtung“ – Ein Lesekonzert mit Markus Liske & Manja Präkels

Fraunhofer Theater

Fraunhofer Str. 9

München

 

Mi. 30. November – 20:00 Uhr

Gesprächsreihe LET’S TALK ABOUT CLASS

mit: Manja Präkels, Patrice Poutrus u.a.

ACUD Studio

Veteranenstraße 21
Berlin-Mitte

 

Do. 01. Dezember – 19:30Uhr

Das literarische Rondell #8 – Volha Hapeyeva: „Die Verteidigung der Poesie“

Moderation: Kristine Listau, Live-Musik: Zhenja Oks & Elisabeth Ruhe

Café MadaMe

Mehringplatz 10

Berlin-Kreuzberg

 

Fr. 02. Dezember – ab 14:00 Uhr

PEN Berlin Kongress: Der Trick ist zu reden

Um 17:00: „Wer zuerst schießt – was (uns) die Freiheit des Wortes bedeutet“
mit: Aladin El-Mafaalani, Jan Fleischhauer, Karen Köhler, Manja Präkels
Moderation: Ijoma Mangold

Festsaal Kreuzberg
Am Flutgraben 2

Berlin-Treptow

 

Mi. 21. Dezember – 20:00

Manja Präkels liest: „Welt im Widerhall“

Schlachthof

Findorffstraße 51

Bremen

Danach ist es dann aber auch gut für dieses Jahr. Wir hören „Jingle Bells“ und „Last Christmas“, bis uns Blut aus den Ohren tropft, und lassen den lieben Gott einen guten Mann mit roter Mütze sein. Die einzige kritische Infrastruktur, die wir dann noch brauchen, ist der Lebensmittel- und Getränkehandel.

Falls wir uns vorher nicht mehr sehen oder lesen sollten, wünschen wir hier schon mal frohe Feiertage!

Eure krisenerprobten Strukturenwächter in der

Gedankenmanufaktur WORT & TON

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