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    WORT & TON im November/ Dezember 2021

    Posted by on Nov 4, 2021

    Liebe Freunde von WORT & TON,

    wir haben gute Neuigkeiten: nicht nur unser, auch euer Weihnachtsfest ist gerettet! Ihr müsst in diesem Jahr nicht mehr darüber nachdenken, was ihr euren Nichten und Neffen, euren Eltern, Tante Hilde und Onkel Günni schenken könnt, denn wir haben das perfekte Geschenk für euch! Worum es sich dabei handelt, das erfahrt ihr weiter unten. Zunächst jedoch der übliche Nachrichtenüberblick:

    Beginnen wir mit der mächtig anrollenden vierten (oder fünften, sechsten? Man verliert langsam den Überblick) Corona-Welle. Die ersten Landkreise in Sachsen, Thüringen und Bayern verzeichnen bereits Inzidenzen von über 600, die Intensivstationen ächzen und die Todesfälle nehmen rasant zu. Letzteres liegt auch daran, dass sich die Politik hierzulande nicht mal dazu durchringen kann, wenigstens für Ärzte und Pflegekräfte eine Impfpflicht einzuführen. Denn das wäre … ja, was? Eine unzumutbare Einschränkung der bürgerlichen Freiheit vielleicht? Finsterer Stalinismus? Wahrscheinlich. Offenbar gibt es in diesem Land nicht nur ein Recht darauf, sich selbst zu gefährden, sondern auch ein Recht darauf, mit der eigenen Blödheit (Tschuldigung: Impfskepsis) andere Menschen umzubringen. Diese Ansicht vertraten kürzlich in verschiedenen Verklausulierungen auch unsere drei Weisen aus dem Abendprogramm Richard Balthassar Precht, Joshua Caspar Kimmich und Sahra Melchiorina Wagenknecht. Und diese Fachkoryphäen in Frisurwissenschaften (Precht), Stinksockolgie (Kimmich) sowie Nazikuschelstudies (Wagenknecht) müssen es schließlich wissen.

    Was es sonst noch gab? Da wäre zum Beispiel der amüsante Versuch der internationalen Staatengemeinschaft mit dem Klimawandel Kompromisse auszuhandeln, ein querdenkender Hitlerfan mit eigenen V-Leuten in der Berliner Justiz und weltweites Entsetzen über die erschütternde Nachricht, dass der von allen geliebte Menschenfreund, Altruist und für seine von Selbstzweifeln geleitete Führungsweise bekannte Chef des ebenso topseriösen wie radikalfeministischen Qualitätsmediums BILD Praktikantinnen auf der Beförderungscouch geschnackselt hat. Ja, das hat selbst uns völlig überrascht und nachhaltig schockiert …

    Die wichtigste Nachricht des heutigen Tages ist allerdings ein finsteres Jubiläum: Am 04. November vor zehn Jahren erschossen sich nämlich in Eisenach die Nazi-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt und leiteten damit die Selbstenttarnung des NSU durch ihre Kameradin Beate Zschäpe ein. Mindestens 10 Morde, 43 Mordversuche und drei Sprengstoffanschläge gingen auf das Konto dieser Terrorgruppe, deren wahre Größe und Vernetzung mit Verfassungsschutzmitarbeitern bis heute nicht ermittelt wurde und wohl auch gar nicht ermittelt werden sollte. Zu groß war das staatliche Interesse, spätestens mit der Verurteilung Zschäpes einen Schlussstrich unter das Thema und die eigene Mitverantwortung zu ziehen. Zwar kämpfen die Angehörigen der Opfer und ihre Anwälte, kämpfen Initiativen, Künstler und sogar manche Politiker weiterhin für eine lückenlose Aufklärung. Aber der Staat und seine Behörden wollen diesen Weg weiterhin nicht mitgehen und haben jene Verfassungsschutzakten, die nicht der internen Schredderorgie nach dem Tod von Böhnhardt und Mundlos anheimfielen, für mindestens 30 Jahre unter Verschluss genommen.

    Persönlich erscheint uns im Rückblick auf diesen 04. November 2011 bis heute am Seltsamsten, dass uns die Nachricht zwar einerseits schockierte, andererseits aber doch nur wenig überraschte. In den Kreisen, in denen wir uns bewegen, war schon lange darüber debattiert worden, ob diese von Ermittlern und Presse perverser Weise als „Döner-Morde“ etikettierte Mordserie nicht eher ins rechtsextreme Spektrum verweise. Nun hatte sich diese naheliegende These als wahr herausgestellt und damit die Relevanz dessen bestätigt, was wir bereits seit Jahren mit wechselnden Bühnenprogrammen, Lesungen und Konzerten landauf, landab zum Thema machten: die rechtsextreme Massenbewegung der Neunzigerjahre nämlich und die fortlaufende Existenz der in dieser Zeit geschaffenen Strukturen sowie deren weiterhin prägende gesellschaftliche Wirkung, insbesondere in den Provinzen des Landes.

    Als sich der NSU vor 10 Jahren enttarnte hatten wir zu diesem Thema gerade das Buch „Kaltland – eine Sammlung“ veröffentlicht. Es war zum 20. Jahrestag des Pogroms von Hoyerswerda erschienen und galt dem Verlag (Rotbuch) schon auf der Buchmesse als Misserfolg. „Das interessiert doch keinen mehr“, hatte es wohl auf der Vertreterversammlung geheißen, und entsprechend gering fiel auch die Zahl der Vorbestellungen aus. Dann jedoch – nur zwei Wochen später – ging der NSU durch die Medien. Plötzlich wollten alle wissen, was denn das für Leute waren, diese Mundlos/Böhnhardt/Zschäpe, und wo die eigentlich herkamen. So wurde „Kaltland“ doch noch zum Erfolg, wurden wir zu rastlosen Lesereisenden in Sachen Antifaschismus und Aufklärung – eine Tour, die im Prinzip bis heute andauert. Denn 2015 legten wir mit „Vorsicht Volk!“ (Verbrecher Verlag) ein weiteres Buch zum Thema nach, und 2017 erschien auf Basis ihrer gleichnamigen „Kaltland“-Erzählung Manja Präkels‚ Roman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“.

    Es gibt also eine direkte Verbindung zwischen diesem Jahrestag des 04. November und unserem Schriftstellerleben. Insofern freut es uns sehr, dass im Rahmen der Kampagne „Kein Schlussstrich!“ am Theaterhaus Jena heute Ödön v. Horváths Theaterstück „Sladek oder Die schwarze Armee“ mit neuen Texten von Manja Präkels Premiere feiert. Und auch, dass gestern Nachmittag endlich das ungekürzte Hörbuch zu „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ aus dem Presswerk kam.

    Womit wir beim eingangs erwähnten Thema Weihnachtsgeschenke wären:

    Wer dieses wunderschöne Artefakt in Händen halten möchte, noch bevor es in die Läden kommt, oder sich gar gleich mehrere sichern möchte (denkt auch an Tante Hilde und Onkel Günni!), der kann sich mit seiner Bestellung vertrauensvoll an Fropsrecords wenden. Labelchef Frodo wird persönlich dafür sorgen, dass ihr die von Manja Präkels eingelesene und gemeinsam mit den TRESEN-Kollegen Thorsten Müller und Benjamin Hiesinger musikalisch kunstvoll angereicherte CD (MP3) dann umgehend zum Stückpreis von 15 Euro (inkl. 19% Mwst) zzgl. 1,55 Euro Versandkosten (Rechnung liegt bei) zugeschickt bekommt.

    Neue Textveröffentlichungen haben wir in diesem Monat ausnahmsweise nicht zu melden, obwohl da demnächst mehrere Buchbeiträge u.ä. kommen. Dafür hier die anstehenden …

     

    TERMINE

     

    Do. 04. November – 20:00

    Premiere von Ödön v. Horváths „Sladek oder Die schwarze Armee“

    mit neuen Texten von Manja Präkels

    Theaterhaus

    Jena

     

    Fr. 05. November – 18:00

    „Was bedeutet Freiheit heute?“ – Podiumsdiskussion mit Manja Präkels und Ingo Schulze

    Schloss Friedenstein

    Gotha

     

    Fr. 12. November – 19:00

    Markus Liske liest „Sechs Tage im April – Erich Mühsams Räterepublik“

    Berner Bücherwochen

    Berne (Wesermarsch)

     

    Do. 25. November – 19:30

    Manja Präkels liest: „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“

    Literaturhaus

    Dortmund

     

    So sieht jedenfalls der Plan aus. Hoffen wir, dass uns das Virus keinen Strich durch die Rechnung macht. Jetzt aber Schluss mit der Newsletterei, wir haben ein Hörbuch zu feiern! Schallaaaaah!!!

    Bleibt gesund und lasst euch nicht unterkriegen!

    Eure literarische Antifa in der

    Gedankenmanufaktur WORT & TON

     

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